Silber im Trinkwasser

Die BfR (Bundesanstalt für Risikobewertung) hat schon vor 14 Jahren vor der Verwendung von Silber gewarnt, allerdings waren damals die  wissenschaftlichen Erkenntnisse noch nicht umfangreich. Mittlerweile gibt es genug Beweise für die schädigende Wirkung von Silberionen auf den menschlichen Körper, die das Verbot der Verwendung von Silber in Trinkwasser rechtfertigen.

  • Silber wirkt nicht gegen wesentliche Krankheitserreger
  • Silber wirkt nicht gegen meldepflichtige Krankheiten
  • Silberbeschichtete medizinische Materialien können Infektionen nicht verhindern
  • Silber wird vom natürlichen Eiweißgehalt des Blutes neutralisiert und unwirksam gegen Krankheitserreger
  • Silber wird vom natürlichen Eiweißgehalt des Blutes nicht in der Toxizität gegen menschliches Gewebe reduziert
  • Silber wurde im Trinkwasser in einer Konzentration empfohlen, die um das 4-fache über dem Grenzwert der Schädigung lagen
  • Silber erzeugt die nach ihm benannte Krankheit Argyrose
  • Silber ruft einen unkontrollierten Abbau von Hirnzellen hervor
  • Silber schädigt die Nervenfunktion
  • Silber schädigt die Immunabwehr

Silber im Trinkwasser

Silber steht in der Diskussion. Auf der einen Seite werden die segensreichen Wirkungen von Silber als kolloidales Mittel hervorgehoben, auf der anderen Seite wurde Silber als Desinfektionsmaßnahme in Trinkwassertanks verboten, wird aber weiterhin noch unter Ausnutzung einer Gesetzeslücke verkauft.

Es stellt sich die Frage, was ist dran am Silber: Segen oder Fluch?

Was ist kolloidales Silber, was ist desinfizierendes Silber

Kolloidal heißt nichts anderes, als dass in einem Lösungsmittel Partikel oder Tröpfchen aufgeschwemmt sind. Die Größe dieser Teilchen liegt im Nanometer- oder Mikrometer-bereich. Ein Nanometer (nm) ist der millionstel Teil eines Millimeters oder ein milliardstel Teil eines Meters. Die Nanotechnologie befasst sich mit den Eigenschaften der Nanopartikel. Bei kolloidalem Silber handelt es sich um Nanopartikel von Silber in einer Flüssigkeit, Creme oder anderen Substanzen wie Pflaster. Das sogenannte Nanosilber hat eine Partikelgröße von 1 bis 100 nm. Diese Nanopartikel von Silber haben keine Wirkung. Erst die von ihnen abgesonderten Silberionen entfalten eine Wirkung auf biologisches Gewebe, ob Krankheitserreger oder menschliche Zellen. So sollen z.B. mit kolloidalem Silber beschichtete Pflaster eine Wunde gegen Infektionen, mit kolloidalem Silber beschichtete intravenöse Katheter vor Blutvergiftung schützen, indem sie kontinuierlich Silberionen absondern. In der Diskussion über Silber ist also streng zwischen kolloidalem Silber und Silberionen zu unterscheiden.

Silber als Desinfektionsmittel

Die fachliche Beurteilung eines Desinfektionsmittels, eines Biozids oder eines Antibiotikums zur Bekämpfung von Krankheitserregern erfolgt aus zwei Blickrichtungen. Erstens muss überprüft werden, ob das Mittel gegen die zu erwartenden Krankheitserreger wirkt oder ob es Wirksamkeitslücken aufweist. Zweitens muss gesichert sein, dass das Mittel keine negativen Wirkungen auf den Menschen hat. Die ebenfalls im Rahmen der Zulassungsverfahren notwendigen Prüfungen auf Schädigung der Umwelt lassen wir in dieser Betrachtung außer Acht, da sie für die Thematik keine Bedeutung hat.

Zur Wirksamkeit von Silber

Bereits 2009 hatte die Bundesanstalt für Risikobewertung (BfR) 30 wissenschaftliche Arbeiten zitiert, die sich mit der Problematik von Silber befassen.

Wirksamkeit von Silber gegen Krankheitserreger

So zeigen sieben dieser Arbeiten, dass Silber unwirksam gegen folgende Bakterien ist: Escherichia coli, Salmonella spp., Salmonella typhimurium, Pseudomonas ssp., Acinetobacter baumannii, Staphylococcus aureus und Enterobacter cloacae. Dies sind alles Bakterien, die schwere Erkrankungen hervorrufen können und im Biofilm von Wassertanks leben.

Krankheitserreger Krankheit
Escherichia coli

Meldepflichtig* (HUS, EHEC)

Die meisten Stämme von E. coli sind harmlos. Einige Serotypen spielen jedoch eine wichtige Rolle bei Erkrankungen innerhalb und außerhalb des Darms. Uropathogene E. coli (UPEC) sind für Harnwegsinfektio-nen verantwortlich. E. coli (NMEC) lösen bei Neugeborenen eine Hirn-hautentzündung aus. NMEC und UPEC führen im Blutstrom zur Sepsis. E.coli (AIEC) ist mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulserosa assoziiert. Darmpathogene E. coli verursachen weltweit jährlich 160 Mio. Durchfallerkrankungen und 1 Mio. Todesfälle. Meist sind Kinder unter 5 Jahren in Entwicklungslän-dern betroffen. Enteropathogene E. coli (EPEC) sorgen für schwere Durchfälle. Enterotoxische E. coli (kurz ETEC) sind Erreger der Reisediarrhoe („Montezumas Rache“). Enteroinvasive E. coli (kurz EIEC) pene-trieren die Epithelzellen des Darms und ermöglichen das Eindringen von Listerien und Shigellen. Es kommt zu Entzündungen und Geschwürbildung. EIEC Enterotoxine geben Endotoxine ab, die zu Elek-trolyt- und Wasserverlust führen (Bakterienruhr). Zu den Enterohä-morrhagischen E. coli (EHEC) gehört das toxische Shigatoxin produzierende E. coli (STEC). EHEC-Infektionen zählen zu den häufigsten Ursachen für Lebensmittelvergiftungen. Der Erreger ist hoch infektiös: 10 – 100 Individuen sind für eine Erkrankung ausreichend. Typische Krankheitsbilder sind die thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP) und ein hämolytisch-urämisches (HUS). Gefürchtet ist vor allem HUS aufgrund der Möglichkeit, an einem terminalen Nieren-schaden zu sterben. Hierbeisind vor allem Kinder unter 6 Jahren betroffen. Das Nierenversagen verläuft in 10 – 30 % der Fälle mit dem Tod des Patienten innerhalb eines Jahres nach Beginn der Erkrankung. Enteroaggregative E. coli (EAggEC oder EAEC) führen zu einer Diarrhoe vom sekretorischen Typ aufgrund von Enterotoxinen (EAST). Durch EAEC werden sowohl akute als auch chronisch rezidivierende Durchfallerkrankungen, die sich über Wochen hinziehen können, verursacht. Neben wässrig schleimigem Durchfall kann es auch zu Fieber und Erbrechen oder blutigem Stuhl kommen. Bei  Immunsupprimierten (z. B. HIV-Patienten) ist EAEC der häufigste Erreger einer bakteriellen Magen-Darm-Erkrankung.

Salmonella spp.

Meldepflichtig

Man unterscheidet zwischen Enteritis- und Typhus- /Paratyphus-Salmonellen, wobei letztere schwerere Erkrankungen verursachen (z. B. Salmonella enterica subsp. enterica Serovar Typhi, kurz Salmonella Typhi). Salmonella Typhi ist an Menschen angepasst. Enteritis-Salmonellen, beispielsweise Salmonella enterica subsp. enterica Serovar Enteritidis (Kurzbezeichnung Salmonella Enteritidis) und Salmonella Typhimurium, verursachen beim Menschen Durchfallerkrankungen, die in der Regel nicht antibiotisch behandelt werden müssen. Allerdings können bei Risikogruppen wie Säuglingen, Kleinkindern, alten Menschen, HIV-Patienten und immungeschwächten Patienten schwere Erkrankungen (Allgemeininfektionen) hervorgerufen werden.

Salmonella typhimurium

Meldepflichtig

Ist eines der hauptverursachenden Bakterien menschlicher Gastroenteritis (s.o.).
Pseudomonas ssp.

Meldepflichtig (Bei Carbapenem-Resistenz)

Die Gattung ist klinisch besonders wichtig, weil die Mehrheit ihrer Mitglieder Resistenzen gegen Antibiotika aufweist. Außerdem sind sie fähig, bei höherer Zelldichte Biofilme (Schleime) zu bilden, die sie gegen Fresszellen und Antibiotika schützen. Während Bakterien der Gattung Pseudomonas bei Menschen mit intaktem Immunsystem selten Krankheiten verursachen, erregen sie bei Patienten, (beispielsweise in Krankenhäusern, sogenannte Hospilatismuskeime), die Infektion von Wunden, Atem- und Harnwegen, sowie Sepsis und Herzerkrankungen. Wundinfektionen zeichnen sich durch ihre blau-grüne Färbung und ihren süßlicharomatischen Geruch aus. Besonders gefährdet sind Patienten mit Cystischer Fibrose (Mukoviszidose), bei denen Lungenentzündungen durch Pseudomonas die häufigste Todesursache ist.
Acinetobacter baumannii
Acinetobacter baumannii und andere Acinetobacter-Spezies sind nosokomiale Erreger (Krankenhauskeime), die in zunehmendem und besonders ausgeprägtem Maße Resistenzen erwerben und vor allem Pneumonien, Bakteriämien und Wundinfektionen verursachen. Als Erreger von Harn-, Wund- und Atemwegsinfektionen bis hin zur nosokomialen Pneumonie und Sepsis gewinnt A. baumannii zunehmend an klinischer Bedeutung. Inzwischen gibt es Studien, die zeigen, dass insbesondere Infektionen mit multiresistenten Acinetobacter spp. mit signifikant erhöhten Mortalitätsrisiken bei Intensivpatienten einhergehen.
Staphylococcus aureus
Beim Menschen kommt es zu Hautentzündungen (Furunkel, Karbunkel), Muskelerkrankungen (Pyomyositis), in ungünstigen Fällen auch zu lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Lungenentzündung, Herzentzündung (Endokarditis), (Toxisches Schocksyndrom (TSS) und Blutvergiftung (Sepsis). Falls diese Bakterien Resistenzen gegen mehrere wichtige Antibiotika erworben haben (Multiresistenz), sind sie besonders schwer zu eliminieren und werden bei Übertragung auf Dritte auch für diese zur Gefahr.
Bei Menschen und Tieren ist Staphylococcus aureus einer der wichtigsten Verursacher von Brustdrüsenentzündung (Mastitis).
Enterobacter cloacae. Meldepflichtig (Bei Carbapenem-Resistenz)

Enterobacter Spezies wurden während der letzten Jahre als eine der bedeutsamsten Ursachen für Krankenhausinfektionen (nosokomiale Infektionen) identifiziert. Einzelne Krankheitsausbrüche konnten auf kontaminierte intravenöse Flüssigkeiten, auf Blutprodukte, destilliertes Wasser, kontaminierte Endoskope, Stethoskope und Hände von Pflegepersonal zurückgeführt werden. Am häufigsten wurden als Ursache die Spezies Enterobacter aerogenes und Enterobacter cloacae festgestellt. Enterobacter können eine breite Palette an Erkrankungen auslösen. Infektionen mit diesen Keimen haben u.a. zu Blutvergiftungen (Septikämien), Entzündungen der unteren Atemwege, Entzündungen von Haut und Gewebe (Parenchymen) von Organen, zu Harnwegsinfektionen, zur Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) oder zu Augenentzündungen geführt.
*Meldeplichtig nach §6 und §7 des Infektionsschutzgesetzes

Schon 2009 stellte sich die Frage, warum soll man Silber einsetzen, wenn es gegen die wesentlichen Krankheitserreger nicht wirkt?
In der Zwischenzeit führten klinische Studien zu dem Ergebnis, dass silberbeschichte Harnwegskatheter, silberbeschichtete zentralvenöse Katheter, silberhaltiges Nahtmaterial für das Vernähen von Operations- unden sowie silberbeschichtete Wundauflagen und Pflaster Infektionen nicht verhindern. Die Infektionsraten konnten nicht gesenkt werden. Das Silber erwies sich als völlig unwirksam.

Wirkspektrum

Nahezu jedes Antibiotikum und Desinfektionsmittel hat ein spezielles, eingeschränktes Wirkspektrum, d.h. es hat keine Wirkung gegen einzelne Gruppen von Krankheitserregern. Um die Wahl des geeigneten Desinfektionsmittels zu erleichtern werden die Wirkspektren verschiedener Wirkstoffe von  Desinfektionsmitteln tabellarisch dargestellt. Diese Tabelle wurde mit den Daten von Silber ergänzt.

Wirkspektrum Bakterien Myco-bakterien Bakterien Sporen Hefen Schimmel-pilze Viren
  Gram positiv Gram negativ          
Alkohole +++ +++ +++ ++ ++ ++
Quaternäres Amonium +++ ++ +++ +++ ++
Guadinine +++ +++ ++ ++ ++
Aldehyde +++ +++ +++ +++ ++ ++ ++
ADD.ONE +++ +++ +++ +++ +++ +++ +++
Silber ++ ++ + + +

 

Trinkwasserbehandlung mit Silber

Silber wurde zur Desinfektion oder Konservierung von Trinkwasserbehältern in Campern und Yachten verwendet, weil es angeblich gut wirkt. Neue Untersuchungen haben aber gezeigt, dass Silber gegen viele Krankheitserreger nicht wirkt, vor allem nicht gegen meldepflichtige Krankheiten. Meldepflichtige Krankheiten sind Erkrankungen, die der behandelnde Arzt dem Gesundheitsamt mit „Ross und Reiter“ melden muss. Dagegen hat sich gezeigt, dass schon geringe Mengen Silber zu den Erscheinungen der Argyrose führen. Mengen die nur halb so hoch sind, wie die bis 2017 empfohlenen Anwendungskonzentrationen für Trinkwasser. Wegen erwiesener Unwirksamkeit und Schädlichkeit wurde die Anwendung von Silber zur Desinfektion und Konservierung von Trinkwasser Dezember 2017 im öffentlichen und gewerblichen Bereich verboten. Öffentlich wird Trinkwasser, wenn man seinem Gast einen Würfel Eis im Drink spendiert oder ihn Händewaschen lässt.

Weitere Informationen unter https://de.wikipedia.org/wiki/Kolloidales_Silber
Auf dieser Web-Seite findet man entsprechende wissenschaftliche Literatur und unter der Angabe „Autoren“, 79 Fachleute die sich mit dem Thema eingehend auseinandergesetzt haben.